Dieses Wochenende war es endlich soweit: Die ersten Honigräume wurden aufgesetzt – ausgestattet mit Mittelwänden in Bio-Qualität.
Damit beginnt in meiner Imkerei nun auch ganz offiziell die Umstellung von der konventionellen Imkerei hin zur Bio-Imkerei. Ein kleiner Handgriff mit großer Bedeutung: Denn ab jetzt wird der Honig ausschließlich in Honigräumen erzeugt, die den Anforderungen der Bio-Richtlinien entsprechen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Unter Imkern wird jedes Frühjahr aufs Neue diskutiert: Wann ist der richtige Zeitpunkt, den Honigraum aufzusetzen?
Oft hört man den Satz: „Es gibt kein zu früh, nur ein zu spät.“ Ganz so einfach ist es allerdings nicht.
Ein zu spätes Aufsetzen des Honigraums ist tatsächlich problematisch. Die Bienen beginnen dann, den Brutraum mit frischem Nektar und Honig zu füllen. Der Brutraum „verhonigt“.
Für die Königin wird der Platz knapp. Sie findet immer weniger freie Zellen zum Stiften, also zum Eierlegen. Dadurch nimmt die Menge der von ihr abgegebenen Pheromone ab. Das Volk spürt, dass die Königin weniger präsent ist – und kommt deutlich schneller in Schwarmstimmung.
Gerade im Frühjahr, wenn die Völker ohnehin stark wachsen, kann ein zu spät aufgesetzter Honigraum deshalb schnell dazu führen, dass ein Volk abschwärmt.
Aber es gibt durchaus auch ein „zu früh“
Trotzdem ist auch das andere Extrem nicht ideal.
Vor allem kleinere oder noch schwächere Völker sollte man genau beobachten und „lesen“. Ein Honigraum vergrößert den Raum in der Beute erheblich. Dadurch verändert sich der Temperaturhaushalt im Bienenstock.
Starke Völker stecken das problemlos weg. Sie können die zusätzliche Fläche schnell besetzen und weiterhin genügend Wärme im Brutnest halten.
Schwächere Völker dagegen tun sich damit manchmal schwer. Wird der Honigraum zu früh aufgesetzt, kann die Brut schlechter gewärmt werden. Die Bruttätigkeit geht zurück und die Entwicklung des Volkes wird unnötig gebremst.
Deshalb sollte man nicht nur auf den Kalender schauen, sondern vor allem auf das Volk selbst:
- Sitzen die Bienen bereits dicht auf mehreren Wabengassen?
- Ist der Brutraum gut besetzt?
- Wird frischer Nektar eingetragen?
- Baut das Volk bereits kräftig?
Erst wenn diese Fragen mit „Ja“ beantwortet werden können, ist der richtige Zeitpunkt gekommen.
Kirschblüte – oder bei mir die Pflaumenblüte
Als grobe Richtlinie gilt unter Imkern häufig: Mit Beginn der Kirschblüte können die ersten Honigräume aufgesetzt werden.
Bei mir ist der verlässlichste Zeitpunkt allerdings jedes Jahr ein anderer: die Pflaumenblüte im Schrebergarten meines Vaters.

Wenn die alten Pflaumenbäume dort in voller Blüte stehen, beginnen auch die Bienen intensiv zu fliegen und reichlich Nektar einzutragen. Genau dieses Bild war an diesem Wochenende zu sehen.
Unter den blühenden Bäumen summten bereits die ersten Sammlerinnen – und gleichzeitig wurden die ersten Honigräume aufgesetzt.
Die Natur gibt den Takt vor. Nicht der Kalender.
Der erste Schritt zur Bio-Imkerei
Die jetzt aufgesetzten Honigräume sind bereits vollständig für die Bio-Imkerei vorbereitet. Verwendet werden ausschließlich Mittelwände aus zertifiziertem Bio-Wachs.
Damit beginnt nun für mich die Umstellungsphase meiner Imkerei gemäß der EU-Öko-Verordnung und den Richtlinien von Naturland.
Bis echter Bio-Honig verkauft werden darf, dauert es zwar noch etwas. Doch jede Umstellung beginnt mit einem ersten Schritt – und dieser Schritt wurde an diesem Wochenende gemacht.
Für mich ist das ein besonderer Moment: Nicht nur, weil die Honigsaison beginnt, sondern weil die Imkerei damit Stück für Stück noch konsequenter den Weg geht, der mir wichtig ist – naturnah, transparent und im Einklang mit den Bienen.
