Gestern war es endlich soweit: Zum ersten Mal in diesem Jahr zeigte die Stockwaage wieder ein deutliches Plus an. Am Abend standen 230 Gramm mehr auf der Anzeige als am Morgen. Für viele mag das nach wenig klingen – für uns Imker ist es jedoch ein ganz besonderer Moment. Denn dieses erste Tagesplus bedeutet: Die Bienen finden wieder mehr Nektar und Pollen, als sie selbst verbrauchen.

Und das Bemerkenswerte daran: Das Wetter war alles andere als ideal. Kühl, windig, immer wieder bewölkt – eigentlich kein typischer Tag, an dem man mit einem Überschuss rechnet. Umso schöner ist es zu sehen, dass die Natur langsam in Gang kommt und die ersten Trachtpflanzen offenbar genug liefern.
Warum die ersten Plus-Tage so wichtig sind
Nach dem Winter leben die Bienenvölker zunächst von ihren Vorräten. Gleichzeitig steigt mit zunehmender Brut die Futteraufnahme stark an. Die Völker müssen nun nicht nur sich selbst versorgen, sondern auch viele hungrige Larven. Deshalb zeigen Stockwaagen im Frühjahr oft lange Zeit ein Minus.
Erst wenn die Natur genügend Nektar und Pollen bietet, drehen die Werte langsam ins Positive. Die ersten Tage mit einem Plus sind deshalb ein wichtiger Hinweis:
- Die Frühtracht beginnt.
- Die Völker entwickeln sich gut.
- Die bereits aufgesetzten Honigräume werden nun langsam angenommen und gefüllt.
- Die Bienen finden bereits trotz mäßigem Wetter genügend Nahrung.
Gerade in Jahren mit wechselhaftem Frühjahr ist das ein gutes Zeichen. Denn wenn die Bienen selbst an eher trüben Tagen schon einen Überschuss eintragen, kann es bei den ersten wirklich warmen und sonnigen Tagen sehr schnell gehen.
230 Gramm – wenig oder viel?
230 Gramm Tagesplus hören sich zunächst unspektakulär an. Tatsächlich ist dieser Wert für Anfang der Frühtracht aber durchaus beachtlich – vor allem bei schlechtem Wetter.
An richtig guten Tagen mit Sonne, Wärme und blühendem Raps oder Obstbäumen können starke Völker später durchaus mehrere Kilogramm am Tag eintragen. Doch der erste kleine Überschuss ist oft viel aussagekräftiger als ein späterer Spitzentag. Er zeigt, dass die Tracht nun wirklich begonnen hat.
Vor allem bei kleineren oder später entwickelten Völkern ist das der Moment, ab dem man die Entwicklung besonders aufmerksam beobachten sollte. Denn aus einigen hundert Gramm können innerhalb weniger Tage plötzlich mehrere Kilogramm werden.
Jetzt heißt es: Honigräume im Blick behalten
Da die Honigräume bereits aufgesetzt sind, zeigt das erste Tagesplus nun vor allem eines: Die Entscheidung war richtig.
Gerade in den letzten Tagen war oft die Frage, ob die Völker trotz des wechselhaften Wetters schon bereit sind. Die 230 g Plus zeigen, dass die Bienen bereits beginnen, die Honigräume anzunehmen.
Jetzt lohnt sich ein genauer Blick:
- Werden die ersten Waben im Honigraum ausgebaut?
- Wird frischer Nektar eingetragen?
- Reicht der Platz noch aus?
Vor allem starke Völker können nach den ersten wirklich warmen Tagen sehr schnell zulegen. Aus wenigen hundert Gramm werden dann oft innerhalb kurzer Zeit mehrere Kilogramm. Wer die Entwicklung aufmerksam verfolgt, erkennt rechtzeitig, wann vielleicht sogar schon der zweite Honigraum nötig wird.
Passend dazu haben wir bereits ausführlich beschrieben, woran man erkennt, wann der richtige Zeitpunkt zum Aufsetzen des Honigraums gekommen ist und warum es im Frühjahr meist eher ein „zu spät“ als ein „zu früh“ gibt.
Die Natur startet langsam
Auch wenn draußen noch nicht alles nach Frühling aussieht: Die ersten 230 Gramm auf der Stockwaage zeigen eindeutig, dass die Bienen bereits mitten im Start in die neue Saison sind.
Jetzt beginnt die spannende Zeit des Jahres. Die Völker wachsen, die ersten Trachtpflanzen liefern, und schon bald entscheidet sich, wie die Frühtracht ausfallen wird.
Wir sind gespannt, was die nächsten sonnigen Tage bringen.
